Eine Einrichtung der Stiftung der Cellitinnen e.V.

Pflegegeld

Pflegegeld

Obgleich jeder im täglichen Leben mit den Begriffen Pflegeversicherung, Pflegegeld, Pflegestufen oder Pflegebedürftigkeit konfrontiert wird, bemerkt man bei den meisten Menschen doch eine gewisse Unsicherheit, wenn eine Pflegesituation entweder direkt als Betroffene oder indirekt als Helfende auf sie zukommt. Wir möchten Ihnen daher an dieser Stelle einige kurze Orientierungshilfen geben, die Ihnen helfen sollen, die Anfangshürden zu überwinden und die Scheu zu verlieren. Die im Folgenden aufgeführten Definitionen und Erläuterungen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sollte Ihnen aber eine erste Hilfe zum Verständnis geben.

 

Pflegebedürftigkeit

Als pflegebedürftig gelten Menschen, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung in ihrem Alltag dauerhaft Hilfen in erheblichem oder höherem Maße benötigen.
Auf Antragstellung bei der Krankenkasse (Pflegekasse) des Pflegebedürftigen erfolgt die Einstufung in die jeweilige Pflegestufe durch den medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK). Der MDK überprüft, ob die Voraussetzungen einer Pflegebedürftigkeit erfüllt sind. Zu diesem Zweck begutachtet der MDK die betreffende Person in dessen Wohnung. Der MDK ist nicht jedoch berechtigt, die betreffende Person zu untersuchen oder eine Diagnose zu stellen. Die Bewertung (Einstufung) der Pflegebedürftigkeit einer Person erfolgt in der Zuweisung einer Pflegestufe.

Obgleich es eigentlich vier Pflegestufen gibt, spricht man in der Praxis nur von drei Pflegestufen, da die Pflegestufe IV für extreme Härtefälle nur äußerst selten zugesprochen wird.

  • Pflegestufe 1 - erheblich pflegebedürftig
    In die Pflegestufe 1 fallen Personen, die bei der Körperpflege, bei der Ernährung oder bei der Mobilität für wenigstens zwei Verrichtungen aus einem oder mehreren Bereichen mindestens einmal täglich und zusätzlich mehrfach in der Woche Hilfen bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen. Der Aufwand umfasst täglich mindestens 1,5 Stunden, wobei körperpflegerische Tätigkeiten vorwiegen.
     
  • Pflegestufe 2 - schwer pflegebedürftig
    Für die Pflegestufe 2 kommen die Personen in Frage, die bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität mindestens dreimal täglich zu verschiedenen Tageszeiten und zusätzlich mehrfach in der Woche Hilfen bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen. Der Aufwand umfasst täglich mindestens 3 Stunden, wobei auch hier körperpflegerische Tätigkeiten überwiegen.
     
  • Pflegestufe 3 - schwerst pflegebedürftig
    In die Pflegestufe 3 fallen Personen, die bei der Körperpflege, bei der Ernährung oder bei der Mobilität rund um die Uhr (auch nachts) und zusätzlich mehrfach in der Woche Hilfen bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen. Der Aufwand umfasst täglich mindestens 5 Stunden, wobei körperpflegerische Tätigkeiten überwiegen.

Zudem gibt es ein erhöhtes Pflegegeld für Menschen mit erhöhtem Pflegebedarf, z.B. für psychisch Kranke, Behinderte oder demenziell Erkrankte.

 

Leistungen der Pflegeversicherung

Die Leistungen der Pflegeversicherung werden aufgeteilt in Sachleistungen und Geldleistungen. Es ist jedoch auch eine Kombination aus beiden Leistungsarten möglich, wenn die erbrachten Tätigkeiten von pflegenden Angehörigen, Freunden oder Nachbarn durch professionellen Einsatz von Pflegekräften ergänzt werden muss.

  • Sachleistungen
    Die Pflegesätze professioneller Pflegekräfte werden übernommen und nach festgeschriebenen Leistungsmodulen abgerechnet.
     
  • Geldleistungen
    Das Pflegegeld wird pflegenden Angehörigen, Freunden oder Nachbarn gezahlt, wenn diese die nötige Grundpflege und die hauswirtschaftliche Versorgung übernehmen.

 

Verhinderungspflege

Ist die Pflegeperson wegen Krankheit, Urlaub oder aus anderen Gründen verhindert, so übernimmt die Pflegekasse die entstehenden Kosten für eine Ersatzpflegekraft.

Folgende Bestimmungen müssen beachtet werden: 

  • Der Pflegebedürftige muss mindestens 6 Monate vor Inanspruchnahme gepflegt worden sein.
  • Antragstellung bei der Pflegekasse

Hierbei übernimmt die Pflegekasse bis zu 6 Wochen je Kalenderjahr oder Stundenweise bis zu einem Kostenumfang von max. 1612 €.

Die Ersatzpflegekraft kann dann sowohl von anerkannten Einrichtungen z.B. Marienborn mobil, als auch von einer privat Person übernommen werden.

Darüber hinaus kann bis zu 50% des Leistungsbetrages der Kurzeitpflege (= 806 €) für die Verhinderungspflege ausgegeben werden. Dieses Geld kann aber nur als Sachleistung durch eine anerkannte Einrichtung in Anspruch genommen werden. 

Beantragt man die Verhinderungspflege unter 8 Stunden, entfällt das Pflegegeld nicht. Dauert die Verhinderungspflege länger als 4 Wochen entfällt das Pflegegeld. Die Sachleistungen eines Pflegedienstes werden dagegen auch für die volle Zeit der Vertretung gewährt.

Kurzzeitpflege

Einmal im Jahr werden die Kosten für eine Kurzzeitpflege über den Zeitraum von vier Wochen bis zu einem Betrag von 1.612 € übernommen.

 

Tagespflege/ Nachtpflege 

Unter Tages- Nachtpflege (teilstationäre Pflege) versteht man die zeitweise Betreuung im Tagesverlauf einer Pflegeeinrichtung.

Hierbei können Pflegebedürftige noch einmal m vollem Umfang Pflegegeld in Anspruch nehmen. D.h. je nach Pflegestufe bis zu einem Umfang von 1612 €.

 
 

Zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen

Betreungsleistungen § 45b 

Den Betreuungsbetrag erhalten Menschen mit einer erheblich eingeschränkten Alltagskompetenz. 104€ oder 208€ pro Monat als Sachleistung über anerkannte Einrichtungen oder Personen.

Der Betrag ist zweckgebunden einzusetzen für qualitätsgesicherte Betreuungsleistungen und nicht für Leistungen der Grundpflege.

Sonstige Leistungen

Pflegehilfsmittel

Für Pflegeverbrauchsmaterial z.B. Einmalhandschuhe, Händedesinfektion, Einmalunterlagen wird von der zuständigen Pflegekasse ein Betrag von bis zu 40 € pro Monat gegen Rechnungsvorlage erstattet. Hierbei ist es nicht zwingend notwendig diese Artikel über eine Apotheke zu beziehen, dies kann man auch in einem Drogeriemarkt oder im Einzelhandeln erworben werden.

Zur Unterstützung der Pflegepersonen und zur Verbesserung der Qualität der häuslichen Pflege bieten die Pflegekassen oder anerkannte Einrichtungen Pflegekurse an und vermitteln Vorschläge zur Verbesserung der Pflege und Betreuung.

Der medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) stellt fest, ob und in welchem Umfang Maßnahmen zur Beseitigung, Minderung oder Verhütung einer Verschlimmerung der Pflegebedürftigkeit (einschließlich der medizinischen Rehabilitation) geeignet, notwendig und zumutbar sind. Versicherte haben einen Anspruch gegen ihre Krankenkasse (nicht gegen die Pflegekasse!) auf Leistungen zur ambulanten medizinischen Rehabilitation. Bei privat Pflegeversicherten treten - im Gegensatz zu gesetzlich Pflegeversicherten - Geldleistungen an die Stelle von Sachleistungen.

Für den Fall, dass die Behandlung einer Krankheit nach Krankenhausbehandlung im häuslichen Umfeld durch den niedergelassenen Arzt erfolgen kann, ist die Krankenkasse verpflichtet, auch pflegerische Leistungen wie Grund- und Behandlungspflege sowie die hauswirtschaftliche Versorgung zu übernehmen. Dieser Anspruch besteht bis zu 28 Tagen.

Sollten die Leistungen der Pflegekasse nicht zur Deckung der entstehenden Kosten ausreichen und der Betroffene und die pflegenden Angehörigen nicht in der Lage sein, die restlichen Kosten aufzubringen, so kann beim zuständigen Sozialamt noch ein Antrag auf Übernahme der ungedeckten Pflegekosten gestellt werden.


Beratungsbesuche

Sobald eine Person Geldleistung der Pflegestufe 1 und 2 erhält muss halbjährlich ein Beratungsbesuch durch eine Pflegeeinrichtung erbracht werden. Bei Pflegestufe 3 muss dieser vierteljährlich durchgeführt werden.

So soll die Qualität der häusliche Pflege sichergestellt werden  und eine regelmäßige Hilfestellung und Beratung der häuslichen Pflege gewährleistet sein.

 Die Kosten hierfür übernimmt die zuständige Pflegekasse.

 

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